Feb 092011
 

Schon am 23. Dezember 2010 meldete Thomas Daily unter der Überschrift „Berlin: ZBI kauft 153 Wohnungen in Moabit“ folgendes:

„Die ZBI Immobilien AG hat ein Wohnensemble mit rd. 9.000 m² Mietfläche im Ortsteil Moabit in Berlin-Mitte erworben. Verkäufer der nördlich vom Schloss Bellevue gelegenen 153 Wohneinheiten sei ein ausländischer Eigentümer, teilt das vermittelnde Maklerhaus Aengevelt mit. Der Kaufpreis für die 1976 errichtete Anlage beträgt rd. 7,7 Mio. Euro. Man suche auch weiterhin Wohnbestände, insbesondere in Berlin, so ZBI-Einkaufsvorstand Mark Münzing.“

Weiß jemand vielleicht, um welche Häuser es sich handelt?

Das ist zwar nicht ganz das Gebiet, um das sich die Initiative „Wem gehört Moabit?“ zur Zeit kümmert. Aber trotzdem interessant.  Der Kaufpreis ist schon bemerkenswert, finden wir. Auch wenn es sich um das Gebiet südlich von Alt-Moabit handeln muss, denn was soll nördlich vom Schloss Bellevue gelegen sonst heißen? Ein ausländischer Investor hat verkauft. Wohl kaum ohne Gewinn. Gebaut 1976. Vermutlich also ursprünglich mal im Sozialen Wohnungsbau errichtet.

Die ZBI AG, Zentral Boden Immobilien Gruppe in Erlangen hat drei Zweigstellen in Berlin. Sie wirbt unter dem Motto „In der Ruhe liegt der Erfolg“ um Anleger für ihre geschlossenen Immobilienfonds. Auf ihrer Webseite verspricht sie „Immobilien zu aktivieren“. Was immer das heißen soll. Die Strategie für das sog. „Birkenkarree“ in Reinickendorf und ihr Projekt 1800 in Prenzlauer Berg ist jedenfalls klar. Die Wohnungen dort sollen als Eigentumswohnungen verkauft werden. Es werden aber nicht nur Eigentumswohnungen verkauft. In der Brüsseler Straße im Wedding werden zur Zeit sanierte Altbauwohnungen für 8 Euro pro Quadratmeter netto-kalt angeboten als „Geheimtipp Single-Wohnung“.

In den Fonds verwaltet die Gesellschaft etwa 12.000 mit einem Verkehrswert von rund 800 Mio. Euro. Laut Aussage von Vorstandsmitglied Dr. Bernd Ital werden: „die meisten der Objekte dabei langfristig gehalten und erwirtschaften für den Fonds, aufgrund der niedrigen Einkaufspreise, attraktive Mietrenditen. Daneben wurde eine eigene Handelsgesellschaft gegründet, die solche Objekte ankauft, die kurzfristig mit Gewinn für die Fondsgesellschaft wieder veräußert werden können.“ Alle Informationen von der oben verlinkten Webseite, wie auch die folgenden Zitate:

„Sind die Objekte eingeholt, wird geschliffen, will heißen: Die ZBI übernimmt die Hausverwaltung, modernisiert, baut Leerstand ab, hebt die Mieten in Richtung Marktniveau. Je nach Standort werden jährliche Mietsteigerungen von 3% bis 5% angepeilt, in puncto Wertsteigerung geht Ital von mindestens 15% innerhalb der ersten drei Jahre aus.“

„Von Einkauf und Finanzierung über Asset-Management und Hausverwaltung bis hin zur Planung von Bau- und Modernisierungsmaßnahmen übernimmt die ZBI mit ihren etwa 170 Mitarbeitern an acht Standorten sämtliche Leistungen entlang der Wertschöpfungskette selbst.“

So sieht das Geschäft mit Häusern aus. Dass jeder Mensch wohnen muss und ein Recht auf eine menschenwürdige Wohnung hat, ist ein ganz anderes Thema.

  3 Antworten zu “153 Wohnungen an ZBI verkauft”

  1. Keine Ahnung, welche Häuser das sind, aber zum letzten Punkt „Recht auf Wohnen“ ein bemerkenswerter Kommentar von Jan Thomsen in der Berliner Zeitung vom 3.2.2011 (nach der Räumung der Liebig 14)
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0203/meinung/0017/index.html
    Hier in Ausschnitten zitiert:
    „Ärgerlich, nein empörend, ist im Fall Liebigstraße und all den anderen ähnlichen Fällen die Machtlosigkeit öffentlicher, demokratisch legitimierter Stellen, wenn es um öffentliche Belange wie das Wohnen geht. Es reichte, dass ein Gericht Recht sprach und ein Eigentümer sich ausschwieg. (…) Man muss diese „linken Hausprojekte“ mit teils zweifelhaftem Charakter nicht mögen, um zu wissen, dass die Berliner Innenstadt allmählich zu einer gleichförmigen Zone der Besserverdiener wird. (…) … der Sozialstaat, der alle teilhaben lassen will, kann sich auch nicht bieten lassen, was derzeit auf der Grundlage geltenden Eigentums- und Mietrechts mit seinen Innenstädten geschieht. Häuser sind keine banalen, x-beliebigen Handelswaren. Eigentum an Wohnraum verpflichtet zu mehr als das Eigentum an einer Waschmaschine.“
    Mehr dazu hier:
    http://gentrificationblog.wordpress.com/2011/02/04/berlin-die-liebig-14-und-kommende-aufstand/#more-2775

  2. 7,7 Mio. Euro für 153 Wohnungen bzw. 9.000 qm. Findet Ihr das wirklich so viel? Ich finde: eher ein Schnäppchen! Das wären etwa 50.000 Euro für 1 Wohnung oder 850 Euro pro Quadratmeter. Wo findet man das in der Gegend noch?

  3. Schnäppchen naja. Die Gesellschaft hat die Wohnungen zum benannten Preis erworben, billigsaniert sie und verkauft sie dann zum doppelten Preis weiter. Ich habe von der benannten Gesellschaft eine Eigentumswohnung für 1.500 Euro/qm erworben. Schönes Stück Berlin, freue mich. Allerdings gab es einen Haufen Ärger bei der Abwicklung (Grundbucheintrag nicht okay, Sanierung z.T. nicht okay, Fristen wurden nicht gewahrt). Eigentümerrechte wie Mieterrechte sind für die Geschäftsführung dieser Gesellschaft (Betone GF, nette allerdings eingeschüchterte Mitarbeiter gab es auch) nach Aussage meiner Nachbarn anscheinend nur so gut wie die erwirtschaftete Rendite.

    Vermiete die Whg. jetzt zum humanen Preis und ärgere mich maßlos über Internet-Inserate mit dem Zusatz „Hartz IV Bewerber zwecklos, da die Miete vom Amt nicht übernommen wird!“ Was soll denn das, im Falle meiner ETW beträgt die Differenz Hartz IV-Miete und ortsübliche Vergleichsmiete gerade mal 35 Euro im Monat! Dazu kommt, dass bei höherer Miete damit zu rechnen ist dass 2 Personen dort wohnen, die Abnutzung sich also erhöht – so rechnen sich die höheren Einnahmen noch nicht mal!!!! Ich suche mir lieber selbst eine billigere Mietwohnung und senke so meine Ausgaben und die erforderlichen Einnahmen aus meiner ETW ! Solidarische Grüße!

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