Sep 082018
 

Vor 30 Jahren sind meine Eltern hierher nach Moabit gezogen.

Da wo früher unser Sandkasten stand und im Hinterhaus bei der Bank der Himbeerstrauch stand, haben sich die neuen Eigentümer ihre Gärten eingezäunt. Da wo wir als Nachbarn früher zusammen gegrillt haben, stehen jetzt die Mülltonnen.

Die Eigentümerin des ganzen Hauses hat versucht uns fristlos aus der Wohnung herauszuklagen, weil wir einen nicht zugeteilten Keller benutzt haben. Wir wären dort angeblich eingebrochen. Wir haben sofort mit einem Anwalt geantwortet und die Sache war vom Tisch. (Diesen Keller hat jetzt übrigens die Sekretärin der Verwalterfirma, die sich auch die Bank mit dem Hinbeerstrauch hat einzäunen lassen.)

Meine Mutter hat wirklich nicht gerne Leute in der Wohnung. Jetzt musste sie ständig irgendwem die Tür aufmachen. Man hatte den Eindruck, dass das schon in der Anzahl mehr Eindringlinge als Interessenten waren.

Mein Vater bekommt einen Anruf, es könne doch nicht sein, dass die Miete so billig sei und dazu das zweite Angebot gegen eine Geldsumme um die 10.000 Euro entweder auszuziehen oder einer Mieterhöhung zuzustimmen.

Ja, das ist erstmal viel Geld, aber wenn man das auf eine neue Miete hochrechnet schnell verbraucht. Jetzt ist die Wohnung verkauft.

Wir haben kein Geld genommen. Wir haben zwei Monate Zeit genommen, um unser Vorkaufsrecht letzte Woche abzulehnen. Hätten wir die Frau aus Israel, die die Wohnung nie gesehen hat, kontaktieren sollen?

Wenigstens ist jetzt erstmal Ruhe.

Und die Hoffnung bleibt, dass die Ofenheizung nicht erneuert wird und dass niemand mit dem Eigenbedarf trickst.

Herzlichen Dank an Autor oder Autorin! Der Text wurde eingereicht für die „Meile der Verdrängung“ am 8. und 9. September 2018. Die Plakate hängen in der Malplaquetstraße und Amsterdamer Straße im Wedding.

  Eine Antwort zu “„Stress in Moabit“”

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