Bereits am Freitag, 2. September wurden im Amtsgericht Tiergarten (Lehrter Straße) zwei Eigentumswohnungen (1-Zimmer) im Haus Rathenower Straße 30 versteigert. In diesem Monat ebenso wie im Oktober stehen eine ganze Reihe Zwangsversteigerungen von Moabiter Wohnungen an. Bis auf eine Ausnahme handelt es sich um Eigentumswohnungen.

Zum Beispiel am 9. September um 10 Uhr eine 2-Zimmerwohnung in Alt-Moabit 121, Verkehrswert 83.000 Euro oder am 16. September um 10 Uhr eine 2-Zimmerwohnung in der Zinzendorfstraße 17, Verkehrswert 123.000 Euro. Am 23. September waren gleich drei Versteigerungstermine hintereinander angesetzt, immer im Abstand von einer Stunde. Der erste Termin wurde allerdings zwischenzeitlich aufgehoben. Es handelte sich um eine 1-Zimmerwohnung in der Quitzowstraße 135 für 18.000 Euro. Aber auch für die beiden anderen Wohnungen werden erstaunlich niedrige Verkehrswerte aufgerufen: eine 3-4-Zimmerwohnung im Eckhaus Wilhelmshavener Straße 37/Quitzowstraße 105 für 2.000 Euro (aber Vorsicht im Gutachten ist von Schwammbefall und Hausbock die Rede) und eine 2-Zimmerwohnung im gleichen Haus für 29.000 Euro.

Am 30. September dann eine Kuriosität. Um 9 Uhr versteigert das Amtsgericht eine 2-Zimmerwohnung im Haus Perleberger Straße 50. Das ist das schon seit langem leerstehende Haus dessen Putz vollkommen abgeschlagen ist. Nur unten im Souterain ist seit einiger Zeit ein Motorradhändler eingezogen. Verkehrswert sage und schreibe: 1 Euro! Eine Stunde später werden dann 46 Wohnungen aus den Jahren 1982/83 mit Erbbaurecht in der Stromstraße 25-26 und 26A versteigert. Knapp 3 Millionen Verkehrswert.

Auch im Oktober geht es weiter mit Terminen am 14., 21. und 28.10. Eine 2-Zimmerwohnung in der Ufnaustraße 1/ Huttenstraße 26A aus dem Wiederaufbauprogramm für 50.000 Euro Verkehrswert sowie mehrere 3- und eine 4-Zimmerwohnung in der Wilhelmshavener Straße 38 bzw. Quitzowstraße 104. Alle diese Wohnungen gehörten einem Eigentümer. Überhaupt gibt es anscheinend Häuser, in denen Zwangsversteigerungen häufiger vorkommen. Wer weitere Hintergrundinfos hat, kann gerne kommentieren.

Wie findet man nun die Verkehrswertgutachten und weitere Informationen zu den Zwangsversteigerungen? Ganz einfach auf dem ZVG-Portal. In die Suchmaske muss man dann nur noch Berlin und Tiergarten eingeben und schon erscheint eine Liste mit Links zu den einzelnen Objekten.

Bleibt zu hoffen, dass an Moabit interessierte Menschen, die ihre Wohnung auch selbst bewohnen wollen, zum Zuge kommen und nicht welche, die Ferienwohnungen einrichten oder auf steigende Mieten spekulieren.

7 Antworten bis “Wieder Zwangsversteigerungen in Moabit”

  1. Bewohner der Perleberger sagt:

    1 Euro Verkehrswert für eine “unbewohnbare” Wohnung! Wo gibt’s denn das? Also was ich so mitbekommen habe, ist das Haus Perleberger Straße 50 in Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Den Leuten, die die gekauft haben, war aber gar nicht klar, welche Kosten die notwendigen Sanierungsmaßnahmen bedeuten. Schließlich sind sie pleite gegangen. Warum dann im Keller der Motorradschrauber einziehen konnte, weiß ich auch nicht.

  2. Initiative WgM sagt:

    Mehr wissen wir auch nicht, morgen 9 Uhr im Amtsgericht gibt’s vermutlich mehr Infos!

  3. Zuschauerin sagt:

    Ich bin nicht bis zum Schluss geblieben, aber einfach unglaublich, dass so etwas möglich ist: das ganz Ausmaß der Misere der Perleberger Straße 50 habe ich längst noch nicht verstanden.
    Hier hatte der berühmt-berüchtigte Immobilienhai Gustav Sommer zugeschlagen.
    Ein schon sehr alter Tagesspiegelartikel (von 1997) von Eva Schweitzer: Konkurs eines Großspekulanten: Bank zieht die Notbremse erwähnt dieses Haus, in dem Wohnungen unter Zwangsverwaltung stehen, die Heizungsfirma kein Geld bekommt und die Heizung im Winter ausfällt:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/konkurs-eines-grossspekulanten-bank-zieht-die-notbremse/10256.html
    Mittlerweile ist das Haus unbewohnbar, weil baupolizeilich gesperrt, die Wohnungen dürfen nicht betreten werden, aber dennoch finden sich Käufer.
    Das System Sommer existiert immer noch. Prozesse auch noch in 2011:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/frueherer-makler-gustav-sommer-vor-gericht/3703964.html

  4. EK sagt:

    Die Wohnungen in der Perleberger Str.50 werden schon seit einem Jahr von diversen Firmen angeboten. Doch Käufer finden sich kaum, da aufgrund Statikmängel die Wohnungen weder besichtigt, betreten noch bewohnt werden dürfen. Ein Problem scheint zu sein, dass die Wohnungen einzeln verkauft werden. Die gesamte Eigentümergemeinschaft muss unglaubliche Summen aufbringen um das Haus begehbar und bewohnbar zu gestalten. Da es einige Eigentümer zu geben scheint, die preiswert für 100 € kauften und keine Reserven haben um den Aufbau des Hauses zu finanzieren, hängen auch die Eigentümer mit Geld in der Luft.
    Teilweise sind Wohnungen sogar noch möbliert.
    Von diesem “Schnäppchen” ist abzuraten.

  5. Netzgucker sagt:

    Übrigens wieder Zwangsversteigerungen in Moabit, morgen 18.11., 9 Uhr, Wikingerufer 2, vermietete 1-Zimmerwohnung im EG für 37.000 Euro und
    eine Woche später am 25.11. 10 Uhr Quitzowstraße 135, 1-Zimmerwohnung EG-Seitenflügel für 25.000 Euro.

  6. Netzgucker sagt:

    für den 17.2. um 9 Uhr steht eine vermietete 2-Zimmer-Wohnung in der Bartningallee 11, Hansaviertel im 14.Stock drin.
    http://www.zvg-portal.de/index.php?button=Termine%20suchen

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