Okt 182011
 

Steigende Mieten stoppen – Berlin ist kein Zoo!

In Berlin steigen die Mieten. Anfang September demonstrierten über 5000 Menschen gegen die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt und forderten einen Mietenstopp, d.h. eine Begrenzung der Mieten. Jahrelang hat die rot-rote Regierung durch den Verkauf landeseigener Wohnungen und die Förderung von Privatisierungen maßgeblich zu dem beigetragen hat, was sich mehr und mehr als beginnende Wohnungsnot herausstellt. Der Unterschied zu den Positionen der Grünen – von der FDP und der CDU ganz zu schweigen – ist aber minimal. Die Parteien handeln im Interesse von VermieterInnen und Immobilienunternehmen. Für sie wird der Berliner Wohnungsmarkt immer lukrativer. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Situation für die meisten Berliner MieterInnen immer schwieriger wird.

Wie ein Aprilscherz wirkt in diesem Zusammenhang die „Lange Nacht der Wohnungsbesichtigungen“, zu der das  europaweit aktive und der Deutschen Telekom zugehörige Unternehmen ImmobilienScout24 einlädt. Mit Bussen sollen Interessierte vom Alexanderplatz aus in acht verschiedene Berliner Kieze gebracht und so die (meist überteuerten) Angebote schmackhaft gemacht werden. Mit dabei sind auch sogenannte City-Guides, also Tourismusführer, die nebenbei direkt die jeweiligen Kieze präsentieren sollen. In der Ankündigung schwafelt ImmobilienScout24 von „Insider-Tipps“, „ausgefallenen Läden, populären Bars und Ausgehmöglichkeiten“. Die Ankündigung ist ein Hohn für alle, die potentiell von den steigenden Mieten in den Innenstadtbezirken verdrängt werden oder bereits verdrängt wurden.

Der schleichende soziale Austauschprozess der seit Jahren in den Berliner Innenstadtbezirken stattfindet, wird mit der „Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen“ zum Event. Der Anklang an die „Lange Nacht der Museen“ ist kaum zufällig. Abseits des offensichtlichen Eigenwerbenutzens für ImmobilienScout24 stellt die „Lange Nacht“ so eine neue Qualität der Stadtvermarktung dar. Das darf nicht unwidersprochen bleiben. Verschiedene Initiativen rufen dazu auf, die „Lange Nacht“ zu stören, die Möglichkeiten der Wohnungsbesichtigungen für kreative Aktionen zu nutzen und den TeilnehmerInnen und City-Guides deutlich zu machen, dass Berlin kein großes hippes Freilichtgehege ist, sondern eine Stadt der Klassengegensätze, in der die Armen und Geringverdienenden durch eine Offensive von Politik, Tourismus- und Immobilienwirtschaft mehr und mehr an den Rand gedrängt werden.

Deshalb: Kommt am 20. Oktober um 18 Uhr zum Alexanderplatz (Berliner Congress Center). Setzt Euch mit in die Busse und besucht die verschiedenen angebotenen Wohnungen. Macht den VeranstalterInnen deutlich: Berlin ist kein Zoo!  Schluss mit den steigenden Mieten!

Nähere Informationen über die Wohnungsangebote und die Busrouten findet Ihr unter:

www.lange-nacht-der-wohnungsbesichtigungen.de

Text übernommen aus der Mailingliste des Forum „Vorsicht Wohnungsnot“.
Das Bündnis „Steigende Mieten stoppen!“ ruft zu einer „Langen Nacht der Wohnungsbesetzungen“ auf.

  Eine Antwort zu “Zynisch: Lange Nacht der Wohnungsbesichtigungen”

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