Mrz 302014
 

Ein Mieter aus dem Fanny-Hensel-Kiez soll über 9.000 Euro nachzahlen, wie die Berliner Zeitung am Freitag berichtete. Rückwirkend für 27 Monate wegen Wegfall der Anschlussförderung! Der Vermieter erhöht die Miete für die 50 qm Wohnung von 268,95 Euro auf 656,99 Euro (inkl. Nebenkosten 833,58 Euro). Die sogenannte Kostenmiete! Sebastian Jung von Berliner Bündnis sozialmieter.de und Gründungsmitglied des Netzwerk für soziales Wohnen und bürgernahe Stadtentwicklung e.V. mieterstadt de ist empört: Die überhöhten Kosten des Sozialen Wohnungsbaus in Berlin als Steuerabschreibungsmodell sollen jetzt nach Ende der Förderung die Mieter bezahlen. Dieser ND-Artikel von Rainer Balcerowiak fasst die absurde Förderpraxis des Landes gut zusammen.

Gleichzeitig mit dieser exorbitanten Mieterhöhung, die vom Senat unzutreffend als Einzelfall dargestellt wird, präsentierten die Mietergemeinschaft Kotti & Co. und sozialmieter.de, am Freitag zusammen mit zahlreichen Fachexperten im Kuchen-Kaiser am Oranienplatz ihre Broschüre „Nichts läuft hier richtig„, mit Vorschlägen, wie die noch vorhandenen 137.000 Sozialwohnungen in Berlin zum Wohle der Mieter erhalten und die unsozialen Auswüchse der Kostenmiete entschärft werden können. Denn 1.000 neue geförderte Sozialwohnungen jährlich, die der Senat bauen will, sind nicht die Lösung. Lösungen müssen für den Bestand erarbeitet werden. Hier machen Experten und Mieterinitiativen umsetzbare Lösungsvorschläge, an die sich die Politik endlich rantrauen sollte. Die Senatsverwaltung hat den Druck finanziert.

Die Broschüre ist außerordenlich lesenswert. Hier als pdf zum Download.

Auch im Webseitenformat stehen die einzelnen Kapitel im Netz:
Vorworte:
Grußwort Ephraim Gothe
Grußwort Andrej Holm
Kotti & Co. Alles muss man selber machen
berliner bündnis sozialmieter.de „Aber heute machen wir nichts mehr falsch.“
Problemlage:
Andrej Holm, Wohnungsnotbericht Berlin
Sigmar Gude, Neubau ist nicht die Lösung
Michael Breitkopf, Die Verdammten dieser Stadt – KDU in Berlin
AG Kostenmiete, Das Kostenmietenproblem
Netzwerk mieterstadt.de, Initiative Bonjour Tristesse-Haus, berliner bündnis sozialmieter.de, „Berliner Verhältnisse“
Wege aus dem Sumpf:
Netzwerk mieterstadt.de, Korrektur der Berliner Verhältnisse
Netzwerk mieterstadt.de, Über eine rechtspolitische Neuausrichtung des sozialen Wohnungsbaus im Bestand
Reiner Wild, BMV, Die Richtsatzmiete im Sozialen Wohnungsbau
Jan Kuhnert, Gemeinwohlorientiert und nachhaltig
Christoph Villinger, Niedrige Mieten ohne Banken und mit Balkon – Salzburger Modell
Ulf Heitmann, Bremer Höhe eG, Genossenschaften auch für ärmere Haushalte?
Jan Kuhnert, Neue Bewirtschaftungsmodelle
Ulrike Hamann, Kotti & Co., „Soziale Mischung“ – Begleitmusik der Verdrängung
Kotti & Co., Rekommunalisierung PlusZur Zukunft des Sozialen Wohnungsbaus

Dokumentation der Konferenz im November 2012

Nachtrag:
Der Fall im Frühstücksfernsehen.

  2 Antworten zu “Sozialer Wohnungsbau – Wahnsinn Kostenmiete – Lösungsvorschläge”

  1. Der Wahnsinn Kostenmiete betrifft auch Häuser hier in Moabit:
    so hat z. B. R&W 2013 (?) die Mieter aus der Paustraße 18 rausgesetzt, Kostenmiete 11,95 (später reduziert auf 8,65) Euro.
    Mieter aus den Häusern Stephanstraße 20 – 22 klagen bei fast jedem Infostand über ihre untragbar hohen Mieten!

  2. Und weiter geht der Irrsinn!
    Mittlerweile scheint der Wedding für die Investoren sturmreif geschossen. I der Koloniestraße versucht die vierte DVI portfolio gerade Erhöhungen von 5€/qm auf über 15€/qm geltend zu machen – und wenn Öffentlichkeit und Politik hier nicht den Druck erhöhen sieht es auch noch so aus, als würden sie damit durchkommen…

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