Sep 062010
 

Eine Wohnung in Moabit kaufen und selbst drin wohnen – ist das gut oder schlecht für das Quartier?

Ich lebe seit 2 Jahren in einer selbst renovierten Eigentumswohnung in einem Altbau in der Birkenstraße und arbeite dort im Beirat intensiv an der Instandsetzung des über die Jahre stark vernachlässigten Hauses mit. Und ich habe das „Wem gehört Moabit“-Projekt (WgM) mit angeschoben und arbeite dort mit, weil ich glaube, dass die selbstbewohnenden Wohnungseigentümer eine gute und wichtige Rolle bei der Entwicklung des Quartiers spielen können. Wenn sie aktiviert und dafür interessiert werden können. „Eigentum verpflichtet“ klingt zwar altmodisch, ist aber nach meiner Meinung richtig.

Nach der Auswertung der Fragebogen werden wir ein besseres Bild darüber haben, wie viele WEG-Häuser (Wohnungseigentumsgemeinschaften) es in Moabit eigentlich gibt. Mehrere Altbauten hier in meiner Nachbarschaft sind Ende der 90er von Mietshäusern in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, ca. die Hälfte der Wohnungen werden von den Eigentümern bewohnt, sind also nicht „Investitionsobjekte“ und vermietet. Viele der großen Wohnungen in den Vorderhäusern werden nun auch von jüngeren Akademikern, Selbständigen oder Familien selbst bewohnt.

Natürlich muss die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen genau beobachtet werden, damit kann auch die Vertreibung von Altmietern verbunden sein, insbesondere wenn die gesetzlichen Regelungen den Mietern nicht bekannt sind. Aber auf unserer Insel Moabit, wo viele Bewohner nur sind, weil man hier zentral und immer noch billig wohnen kann, ist es sicher nicht schlecht, wenn Menschen sich langfristig festlegen, sich hier ihre Wohnung kaufen und damit insbesondere auch den früher so schönen alten Häusern wieder eine Chance geben. Wer hier kauft und hier lebt, muss sich einfach engagieren für eine Entwicklung des Quartiers und eine gute Nachbarschaft – auch im eigenen Interesse und im Interesse der eigenen Kinder. Das ist etwas ganz anderes als die anonymen Investoren und Luxemburger Holdings, die und die Banken sind der wirkliche Feind.

Deshalb macht unsere Initiative »Wem gehört Moabit« den Vorschlag, einen Eigentümer-Stammtisch zu gründen, am 30.9. wollen wir uns zum ersten Mal im Arema treffen. Dazu sind nicht nur Wohnungseigentümer und Beiräte in Moabit eingeladen, auch wer sich fragt, ob er für sich selbst in Moabit kaufen sollte und Fragen dazu hat, kann gern kommen. Mehr dazu auch bei unserer Veranstaltung am 23.09. im Kubu. Wir freuen uns natürlich auch hier auf der Diskussionsplattform über Eure Vorschläge und Beiträge zum Thema.

Johannes vom WgM-Team am 6.9.2010

  11 Antworten zu “Eigen­tums­woh­nun­gen – gut oder schlecht?”

  1. Hallo,
    Wir bewohnen selbst eine Wohnung in Moabit, welche Ende der 90er in Eigentum umgewandelt wurde.Von 10 Wohnungen sind nur 2 von den Eigentümern selbst bewohnt.Die anderen 8 Parteien haben eigentlich als „Investition“ gekauft und vermietet. Allerdings haben sie einen sehr hohen DM Preis zahlen müssen,so daß man wirklich nicht von einer „guten Investition“ reden kann, da die Wohnungen inzwischen nicht den Hauch dieses Preises erzielen würden. Bei den Eigentümerversammlungen hat man dadurch immer wieder das Problem, bei Verbesserungsvorschlägen die mit Ausgaben verbunden sind, auf taube Ohren zu stoßen.
    Dazu kommt, daß die Mieter kein großes Interesse an einem Erhalt der Bausubstanz haben und auch sonst die normale Hausordnung mit Füßen treten. Man steht als Eigentümer ziemlich allein da und macht sich täglich neue Feinde im Haus.
    Man sollte sich vor dem Erwerb einer Wohnung das Umfeld und seine Umstände genau ansehen, wenn man selbst dort wohnen möchte. Je mehr Eigentümer selbst bewohnen, desto besser. Allerdings spielt der Status der Bewohner dabei keine Rolle. Akademiker und Künstler jedenfalls sind keine Gewähr für ein ruhiges und soziales Miteinander. Die Ansichten dieser Leute sind doch manchmal sehr kompliziert.

  2. Hi,
    ich wohne seit einigen Jahren in Moabit zur Miete und würde nun gerne Eigentum kaufen, um selbt dort zu wohnen. Kann mir jmnd einen Tipp geben, über welche Website oder Institution ich am besten suchen und finden kann.
    Danke im Voraus..
    Ich freue mich übrigens sehr über dieses Forum.
    Y

  3. Tja, eine Wohnung in Moabit kaufen und selbst drin wohnen. Dann entwickelt sich der Bezirk.Denkste! Die Bausubstanz ist hier sehr schön, aber der Kiez trostlos. Ja, ich wiederhole und schreibe es nochmals mit großen Buchstaben T R O S T L O S.
    Hier herrscht der Mangei an Intellektualismus vonseiten mancher Bewohner, die leider Salonsozialistisch zu denken pflegen. Ergebnis: Keine richtige Buchhhandlung ( Dorotheenstädtische=gut, aber speziell, und Samstag Nachmittag geschlossen, Kirchstraße= Bestsellershochdrei), kein Kino ( Lehrterstraße 1 reicht nicht. Vor dem Krieg bestanden 76 Kinos in Moabit), dazu miserable , beschämende Einkaufsmöglichkeiten
    Moabit ist ein düsterer Ort des Starsinns geworden. Doch ist es nie zu spät, die Lage zu ändern.
    Bis aber Mieter den Verkauf ihrer Mitwohnungen „zu verhindern suchen“ zeigen sie hier eine Denkweise, die sich als obsolet erweist.
    Die sogenannten soziale Projekte, die kann man vergessen. Integration ist meintwegen nur da, wenn die Migranten sich integrieren lassen wollen.
    Moabit ist in Berlin, Berlin in Deutschland.. selbst die Frage, wem Moabit gehöre, erweist sich meinetwegen als fragwürdig, und enttarnt meinetwegen eine simplizistische und spießige Weltanschaung …

  4. @quitzow,
    danke, danke, danke, ich hätte es mit meinen Worten nicht besser sagen können!

  5. @y.sagt:

    Sie sid ja putzig:-)
    Wenn Sie eine Wohunung in Moabit zu kaufen gedenken, dann gibt es, auch für Moabit, die Möglichkeit, die geeigneten Webseiten aufzusuchen, Moabit angeben, und dann los, suchen, besichtigen, kaufen…
    Um den Kauf einer Wohnung gibt es in einem kapitalistischen System keine Insitution, die dafür zuständig ist. Den real existierenden Sozialismus gab es in Moabit nie. Gnadiger Mitstreiter, der Bezirk Tiergarten war niemals Teil der DDR;-)

  6. Mag ja sein, daß WgM „eine simplizistische und spießige Weltanschauung enttarnt“ aber das ist immer noch besser als gar nichts zu tun. Genau deshalb ist Moabit so trostlos, und das schon seit 40, 50 Jahren. Mit anderen Bezirken ging es seit den 80ern bergauf oder bergab, Moabit stagniert.

  7. Es ist sicher völlig richtig wenn man mit dem Geadnken spielt sich in Moabit fest mit einer eigenen Wohnung anzusiedeln auf Erfahrungen zurückzugreifen und nicht in die üblichen Fallen der Makler und Banken zu stolpern. Komm doch einfach zum „WgM-Eigentümerstammtisch“ im Arema am Donnerstag (30.9.) abends.

  8. Ich arbeite selbst auch in einem Beirat einer Wohnungseigentümergemeinschaft in Moabit mit und kann das Problem mit den Leuten, die Wohnungen in den 90ern von skupellosen Bank-Makler-Aufteiler-Konsortien zu teuer gekauft haben und nun jede weitere Sanierung der maroden Altbausubstanz blockieren absolut bestätigen. Viele dieser „Investoren“ wohnen in Wessiland und haben ihre Wohnung (und ihre Mieter) in 15 Jahren nicht einmal gesehen. Doof.

    Trotzdem glaube auch ich, daß es für Moabit nur gut sein kann, wenn sich Leute hier für 10 Jahre und mehr mit dem Kauf einer selbst bewohnten Eigentumswohnung festlegen.

  9. Wer so ran geht (immobilenscout24.de, suchen, besichtigen, kaufen) fällt mit Sicherheit auf die Nase und wird ein Opfer der Banken & Makler. Das hat überhaupt nichts mit „real existierendem Sozialismus“ zu tun. Man sollte sich unbedingt zunächst unabhängig informieren wie das läuft und wo die Fallstricke sind. Für Leute mit guten Nerven und etwas cash sind auch die Zwangsversteigerungen im Amtsgericht in der Lehrter Strasse eine Alternative an bezahlbaren Wohnraum zu kommen, leider sind da aber auch schon die Geier verschärft unterwegs. In den letzten Jahren wurden bei uns im Hinterhaus noch mehrere Einzimmerwohnungen für unter 20tsd ersteigert.

  10. Dank eigener Erfahrung mit Wohnungseigentum innerhalb einer Wohnungseigentümer“gemeinschaft“ kann ich von Wohnungseigentum eher abraten, besser erscheint mir das Wohnen in einer Genossenschaft, wobei es nur relativ wenige attraktive Genossenschaftswohnungsanlagen in Moabit gibt.

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