Jun 282021
 

Das Eckhaus Alt-Moabit 52 / Gotzkowskystraße 18 + 18 A wurde verkauft. Es liegt sowohl im Milieuschutzgebiet Waldstraße als auch im Sanierungsgebiet Turmstraße. Deshalb prüft der Bezirk Mitte das Vorkaufsrecht. Mieter*innen hoffen, dass eine Wohnungsbaugesellschaft oder Genossenschaft in den Kaufvertrag eintritt. Bei einem Kaufpreis von ca. 5 Mio. Euro möglicherweise nicht ganz einfach.

In der letzten Zeit sind eine ganze Reihe von Häusern in den Moabiter Milieuschutzgebieten (teilweise auch im Sanierungsgebiet) verkauft worden: die Turmstraße 11, Lübecker Straße 41, Stephanstraße 62, Salzwedeler Straße 5, Feldzeugmeisterstraße 3, Stendaler Straße 17. Bisher wurde nur für die Rostocker Straße 24 das Vorkaufsrecht ausgeübt – zu Gunsten der degewo und nur für das Haus in der Stendaler Straße gibt es eine Abwendungsvereinbarung, mit der sich der neue Eigentümer verpflichtet bestimmte Maßnahmen, die die Mieten stark erhöhen würden, nicht durchzuführen – für eine bestimmte Zeit – ebenso wie nicht in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

Wir veröffentlichen den Brief der Mietergemeinschaft aus Alt-Moabit 52 / Gotzkowskystraße 18 + 18 A, mit dem die Mieter*innen um Unterstützung bitten:

Unser Haus wird verkauft!

Liebe Initiativen,
wir, das sind die Mieterinnen und Mieter des Hauses Alt-Moabit 52 / Gotzkowskystraße 18 und 18a in Berlin-Moabit, haben letzte Woche durch einen Brief des Bezirksamts erfahren, dass unser Haus verkauft wurde – und dass es die Option des Vorkaufs gibt, weil unser Haus in einem Milieuschutzgebiet liegt. Wir wissen noch nicht, wer das Haus gekauft hat, aber wir wissen, was das für uns bedeuten kann: Es kann sein, dass dann die Mieten steigen und dass viele von uns sich das nicht mehr leisten können.

Wer sind wir?
Viele von uns leben schon lange in Berlin. Manche von uns sind hier geboren. In unserem Haus gibt es drei Aufgänge und über 20 Mietparteien, manche Wohnungen sind ganz klein, andere größer. Bisher hatten wir einen privaten Vermieter, der seit vielen Jahrzehnten hier im Haus wohnte, so wie auch einige von uns. Unter uns gibt es ein Ehepaar, das seit 1972 hier wohnt, fast 50 Jahre. Sie pflegt ihn, er ist dement und hatte früher die Wohnung auf eigene Kosten heergerichtet, ein Bad eingebaut, die Küche und die Fenster instandgehalten. Die Kinder sind im Haus erwachsen geworden, demnächst soll ein Enkel zum Studieren einziehen.
Ein anderes Paar lebt seit über 30 Jahren hier, eine Familie mit Kindern über 10 Jahre. Ein älterer Herr war schon da, bevor der alte Eigentümer das Haus von seiner Familie geerbt hatte. Es gibt außerdem einige alleinstehende Frauen, eine hat eine Tochter, die mittlerweile in eine eigene Wohnung im Haus umgezogen ist. Fast alle Langzeitbewohner haben ihre Wohnungen selbst ausgebaut. Der bisherige Eigentümer hat diese Eigenleistungen immer berücksichtigt und die Mieten kaum erhöht. Die meisten von uns leben in sehr einfachen, aber auch sehr preiswerten Wohnungen. Wir befürchten, dass sich ein neuer Eigentümer nicht auf die bisherigen Absprachen verpflichten lässt.
Was es hier auch gibt: einige möblierte Wohnungen, die kurzfristig vermietet werden, manche davon immer wieder. In einem Fall wurden die Kurzzeitmietverträge seit 6 Jahren immer wieder verlängert. Wenn die Mieterin bleiben wollte, wurde der Vertrag zu denselben Konditionen fortgesetzt. Auch hier befürchten wir, dass sich mit einem Verkauf die bisherige Vermietungspraxis ändern wird.
Wir sind Deutsche und Nicht-Deutsche, Junge und Alte, manche leben von Grundsicherung oder überschaubaren Gehältern, in einer Familie gab es schon einen Fall einer Zwangsräumung und kurzfristige Obdachlosigkeit. Auch die Gewerbemieter machen sich Sorgen darum, wie es weitergeht: Ein Döner-Imbiss, eine türkische Bäckerei, ein Zeitungsladen, ein Friseur, die bleiben wollen. Wir denken, dass wir ein ziemlich typische Berliner Mischung sind – von der ja gern gesagt wird, dass sie erhalten bleiben soll.

Was wünschen wir uns?
Wir wollen in Moabit wohnen bleiben, denn hier sind wir zuhause. Deswegen wünschen wir uns sehr, dass es eine Lösung für uns gibt, bei der wir nicht meistbietend an neue Eigentümer verscherbelt werden und dann rausmüssen, oder vor die Wahl gestellt werden, demnächst nach der Fassadensanierung das Doppelte und Dreifache zu zahlen – das ist nämlich bisher das Einzige, was wir vom neuen Eigentümer gehört haben: Dass die Fassade saniert werden soll (und das ist nicht das, was wir für das Dringlichste halten).

Was können Sie tun?
Wir hoffen sehr, dass der Bezirk das Vorkaufsrecht wahrnimmt und wir hierbleiben können. Wir haben uns jetzt am Wochenende zum ersten Mal zusammengesetzt, da waren noch nicht alle dabei, aber für uns ist klar: Wir werden uns dafür einsetzen, dass unser Haus bezahlbar bleibt. Ein erstes Schreiben an die Bezirksverordneten im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Mitte haben wir bereits verschickt. Und wir freuen uns, wenn Sie uns bei diesem Anliegen unterstützen. Wenn Sie möchten, können wir auch gern noch mehr zu uns schreiben oder mal vorbeikommen. Wir würden uns über eine baldige Antwort sehr freuen, denn viel Zeit bleibt ja nicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Die Hausgemeinschaft Alt-Moabit 52/Gotzkowskystr. 18/18a“

Kontakt: gotzkowsky-moabit@gmx.de

  Eine Antwort zu “Wieder ein Haus, das um den Vorkauf kämpft!”

  1. Es hat leider nicht geklappt, es standen keine sog. „Dritten“ zur Verfügung, die bereit gewesen wären in den Kaufvertrag einzutreten.

 Antworten

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